Im September dreht sich in Bierdeutschland alles um ein Wort: Wiesn. Festbier, Märzen, Maßkrüge. Wir schauen in diesem Monat trotzdem nicht nach München, sondern ein Stück weiter nach Osten – nach Wien. Denn ohne das Wiener Lager gäbe es das Oktoberfest-Märzen in seiner heutigen Form wohl nicht. Unser Bier des Monats September 2026 ist deshalb das Original aus der Stadt, in der alles begann: das Schwechater Wiener Lager.
Die Geschichte: Anton Dreher und das Jahr 1841
Schwechat liegt direkt vor den Toren Wiens. Hier übernahm Anton Dreher 1839 die Brauerei seiner Familie – und schrieb zwei Jahre später Biergeschichte. Dreher hatte sich in England angeschaut, wie man helleres Malz herstellt, und in München bei seinem Freund Gabriel Sedlmayr von der Spaten-Brauerei die untergärige Brauweise studiert. Beides brachte er in Schwechat zusammen: 1841 entstand ein untergäriges, kupferrotes Lagerbier, das kühl in Kellern reifte. Die Welt nannte diesen Stil bald einfach „Wiener Lager“.
Die Idee machte schnell die Runde – auch zurück nach München. Dort entwickelten die Brauer daraus ihre bernsteinfarbenen Märzenbiere, die über Jahrzehnte das Bild vom Oktoberfestbier prägten. Wer also auf der Wiesn ein Märzen trinkt, trinkt ein Stück Wiener Biergeschichte mit.
So schmeckt das Schwechater Wiener Lager
Im Glas leuchtet es in einem warmen Bernstein mit kupfernen Reflexen, darüber eine feinporige, cremeweiße Krone. In der Nase: geröstetes Brot, Karamell und eine leichte Nussigkeit. Im Antrunk zeigt sich das Bier malzig und rund, aber ohne süß zu werden – genau das ist die Kunst beim Wiener Lager. Zum Ende hin sorgt eine feine, unaufgeregte Hopfenbittere dafür, dass der nächste Schluck nicht lange auf sich warten lässt.
Wir mögen am Wiener Lager vor allem, dass es so unprätentiös ist: kein Hopfenfeuerwerk, kein Alkoholhammer, sondern einfach ein sehr gut gemachtes Bier mit Charakter. Ein Bier, das man Bier-Neulingen genauso einschenken kann wie Kennern.
Das passt dazu
- Wiener Schnitzel mit Erdäpfelsalat – naheliegend, aber unschlagbar.
- Gulasch oder Schweinsbraten: Die Röstaromen des Malzes greifen die Kruste auf.
- Brezen mit Obazda – für den Wiesn-Abend auf dem Sofa.
- Würziger Hartkäse wie Gouda mittelalt oder Comté.
Die ideale Trinktemperatur liegt bei etwa 7 bis 9 °C. Ein klassischer Krug oder ein schlankes Becherglas zeigt die schöne Farbe am besten.
Warum gerade im September?
Weil die Oktoberfest-Zeit der perfekte Anlass ist, einmal zurückzuschauen, woher der Wiesn-Klassiker eigentlich kommt. Und weil ein Wiener Lager mit seinen Röstaromen genau zwischen Sommer und Herbst passt: noch frisch genug für einen warmen Spätsommerabend, schon malzig genug für die ersten kühleren Tage.
Dieses Bier steckt im Bier-Adventskalender 2026
Das Schwechater Wiener Lager ist eines von 24 Bieren, die unsere Bier-Sommeliers für den Adventskalender 2026 ausgesucht haben – mit Tasting-Glas und Web-App, in der ihr zu jedem Türchen mehr über Bier, Brauerei und Stil erfahrt. Lieber gleich gemeinsam verkosten? Dann holt euch die Home-Edition mit Sommelier per Video.
Mehr Biere aus unserer Reihe findet ihr in der Übersicht Bier des Monats.