LAST BUT NOT LEAST

Dein letztes Bier wartet auf dich!

Prost!

Bolten Ur-Alt

Liebe Bierfreunde,

vor einigen Wochen besuchte ich mal wieder meine Heimatstadt am Niederrhein. Dort trieb mich der Bierdurst an den Bierkühlschrank meines Vaters. Meist ist dieser sehr gut, wenn auch unspektakulär gefüllt. So findet man hier doch in der Regel die aus der TV-Werbung bekannten Marken. Am liebsten gerade jenes Bier, welches bei dem Kauf von ein oder zwei Kisten ein Bierglas gratis dazugibt – Marketing funktioniert!

Dazu gesellen sich allerdings schon seit einigen Jahren immer wieder zwei Biere der Bolten Brauerei aus Koirschenbroich: ein bekömmliches Weizen und das Bolten Ur-Alt. Letzteres in der attraktiven 0,33l Bügelflasche, also auch optisch eine Besonderheit. Da greife ich natürlich gerne zu, obwohl der Bierstil Alt gar nicht zu meinen persönlichen Favoriten zählt.

Ich schenke mir also ein Glas Bolten Ur-Alt ein und bin gespannt, wie es ein Bier zu uns nach Hause geschafft hat, das weder im Sonderangebot war noch mit Gratisartikeln wirbt. Optisch ist dieses Bier sehr ansprechend. Kastanienfarben mit einer feinen, leichten Trübung und einem hell beigen Schaum, der jedoch sehr schnell zerfällt.

Das Uralt duftet nach Maronen, Kaffee und Schokolade. Zur erwarteten Röstmalzaromatik gesellt sich ein wenig Süße, nussige Ausschläge.

Der Rest der Familientafel hat meinen Ausführungen zur Aromatik teils interessiert, teils gelangweilt gelauscht und freut sich nun darüber, dass auch ich endlich zum Anstoßen bereit bin. Im Mund nehme ich etwas Kohlensäure wahr, eher reduziert und sehr schön eingebunden. Das Bier kommt schlank daher, der Malzkörper ist nicht allzu stark ausgeprägt, die geringe Restsüße macht Platz für den leicht trockenen Eindruck. Der Alkoholgehalt liegt bei 4,9%.

Zu dem für Altbier typischen, schlanken Röstmalzgeschmack gesellt sich auf der Zunge ein interessanter und leckerer Nussgeschmack, der mich an Hasel- & Cashewnüsse erinnert. Parallel spüre ich eine feine Säure, die passend zur geringen Restsüße nicht dominiert. Abgerundet wird das Erlebnis des naturtrüben Alts durch den dezenten Hefegeschmack.

Erst im Abgang spüre ich die Hopfenbittere im Rachen. Diese ist fein ausbalanciert und gibt zusammen mit der auf der Zunge bleibenden Röstbittere einen merkbaren, wenn auch nicht allzu langen, bitteren Ausklang.

Eine wirklich schöne Entdeckung. Das Bolten Ur-Alt hebt sich durch seine natürliche Hefetrübung von seinen Artgenossen ab. Dadurch ist aromatisch und geschmacklich mehr zu erleben als bei vielen der Düsseldorfer Kollegen. All diese Eindrücke sind wunderbar ausbalanciert und geben einen schönen, abwechslungsreichen Gesamteindruck.

Bierige Grüße in die (laut Etikett) älteste Altbierbrauerei Deutschlands nach Korschenbroich.

Ich freue mich schon auf den nächsten Besuch in der Heimat und bin gespannt, was ich dann in Vaters Kühlschrank finde.

Prost!

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